Arbeiten in 50 Metern Höhe, nur durch ein Seil gesichert, große Temperaturunterschiede und böige Winde sind sicherlich nicht jedermanns Arbeitsumgebung. Doch für die Mitarbeiter der Membranteam GmbH aus Fronreute ist dies normaler Arbeitsalltag. Dafür sind sie weltweit bekannt und von Großbaustellen im Stadionbereich oft nicht mehr wegzudenken. Von München bis nach Pusan in Südkorea sind sie bei fast jedem Wetter auf den bekanntesten Dächern der Welt.
Seit der Firmengründung im Jahr 1999 erhalten die oberschwäbischen Industriekletterer regelmäßig große Aufträge im Bereich der Höhenmontage von architektonische Textilien und Folien. Beispielsweise die Allianz-Arena in München, deren einzigartige Fassade von den Kletterern angebracht wurde. „Dies war bisher das aufwendigste Projekt, allein schon wegen der langen Bauzeit“, sagt Jörg Ehrmann, der freie Architekt und Bausachverständige des Unternehmens. Seit dem 21. März sind sie nun beim Umbau der Mercedes-Benz-Arena in der Landeshauptstadt Stuttgart wieder im Einsatz.
Stuttgart bleibt schwäbisch
Der Auftrag lautet diesmal, das Dach der Arena in Stuttgart im Zuge der Umbaumaßnahmen weiter in die Mitte zu verlängern, so dass alle Tribünenteile überdacht sind, das Spielfeld aber dennoch im Freien bleibt. „Dafür haben wir zehn Wochen Zeit und setzen bis zu 40 Mitarbeiter ein. Danach muss es fertig sein“, sagt Ehrmann. „Das Interessante an diesem Projekt wird die Art, wie wir das Dach nach oben befördern, sein. Unsere Mitarbeiter werden es von Hand, nicht wie üblich hydraulisch nach oben ziehen“, erklärt Ehrmann. Es werde zwar einen Tag sehr anstrengend und schweißtreibend, aber es sei ohne Probleme machbar.
Die Konkurrenz in diesem Bereich der Sondermontage in der Höhe ist nicht sehr groß. „Der einzige große Konkurrent aus Bayern war natürlich nicht begeistert, dass ein oberschwäbisches Unternehmen die
Fassade an der Allianz-Arena in München anbringt. Wir dagegen waren nicht begeistert, dass die Bayern das Bauprojekt am Stadion in Hoffenheim bekommen haben“, sagt Ehrmann. „Den Auftrag in unserer Landeshauptstadt wollten wir uns natürlich sichern.“
Die Mitarbeiter stehen bei dem in der Baubranche etablierten Unternehmen im Mittelpunkt. Die Belastungen eines Höhenarbeiters sind enorm und daher kommt nicht jeder infrage. Das Stammpersonal besteht aus 25 Arbeitern. Bei Bedarf könne man aus einer umfangreichen Mitgliederkartei weitere gut ausgebildete Kletterer hinzuziehen. „Der Großteil der Mitarbeiter auf Abruf sind Individualisten, die gerne klettern und eine gute technische Ausbildung haben“, sagt Ehrmann und ergänzt: „Sie arbeiten in der Zeit, in der sie bei uns sind, sechs Tage in der Woche und verbringen dann das restliche Jahr auf Reisen.“
Ohne doppelten Boden
Das Unternehmen kann seit der Gründung auf keine gröberen Unfälle zurückblicken. Höchste Priorität hat die Sicherheit der 25 Stammkräfte, aber auch die ausführliche Planung und genaue Bearbeitung der Sachlage. Speziell um den Mitarbeiter in der Höhe die höchstmögliche Bewegungsfreiheit und Sicherheit zu gewährleisten, entwickelte das Membranteam ein spezielles Plattformnetz. Es wird straff unter das Dach des Bauobjekts gespannt. Der Monteur arbeitet somit freistehend – 50 Meter über dem Boden auf einem Netz ohne zusätzliche Sicherung. Das spezielle Netz sieht dem eines Fußballtors sehr ähnlich. Diese Form der Arbeit ist in der Branche einzigartig.
Neue Aufträge in Brasilien
In den kommenden Jahren oder Monaten können weitere Großprojekte für das Unternehmen folgen, da bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft in Brasilien sämtliche Stadien neu gebaut oder erweitert werden müssen. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten für das Membranteam sind in Aussicht. „Wir wollen da anfangen, wo andere aufhören“, sagt Ehrmann und dieses Ziel verfolge das Unternehmen seit seiner Gründung.